Logistik Lexikon

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Durchlaufzeit: Definition, Einordnung und Bedeutung in Logistik und Versand

Begriffserklärung und Einordnung

Durchlaufzeit bezeichnet die gesamte Zeitspanne, die ein Auftrag, eine Sendung, ein Material oder ein Produkt benötigt, um einen definierten Prozess von seinem Start bis zu seinem Abschluss zu durchlaufen. Der Begriff wird in Logistik, Produktion, Handel und E-Commerce genutzt und ist eng mit der Frage verbunden, wie schnell ein System Leistungen erbringt. Je nach Kontext kann sich der Startpunkt beispielsweise auf den Auftragseingang, die Freigabe eines Kommissionierauftrags, den Beginn der Bearbeitung an einer Station oder den Wareneingang beziehen. Der Endpunkt kann unter anderem die Versandbereitstellung, der Warenausgang, die Anlieferung beim Empfänger oder der Abschluss eines Fertigungsschritts sein.

In der logistischen Praxis wird Durchlaufzeit häufig als Leistungskennzahl verstanden, die mehrere Zeitanteile bündelt. Dazu gehören neben der eigentlichen Bearbeitungszeit typischerweise auch Wartezeiten, Liegezeiten und Transportzeiten innerhalb eines Systems. Damit ist Durchlaufzeit in der Regel nicht identisch mit der reinen Arbeitszeit, sondern bildet den realen Zeitbedarf ab, der sich aus Prozessaufbau, Kapazitäten und Steuerung ergibt.

Die genaue Definition der Durchlaufzeit ist stark davon abhängig, wie ein Unternehmen Prozessgrenzen festlegt. In einem Lager kann die Durchlaufzeit eines Auftrags beispielsweise vom Zeitpunkt der Auftragsfreigabe bis zur Übergabe an den Paketdienst gemessen werden. In einem Versandnetzwerk kann die Durchlaufzeit eine Kette aus Umschlag, Sortierung und Transport einschließen. In der Produktion umfasst sie oft die Zeit vom Materialstart bis zur Fertigstellung, einschließlich Zwischenlagerungen.

Struktur, Merkmale und Einsatzfelder

Durchlaufzeiten entstehen entlang von Prozessketten, die aus aufeinanderfolgenden Arbeitsschritten und Übergabepunkten bestehen. Typisch ist eine Abfolge aus Eingang, Bearbeitung, internen Bewegungen und Abschluss. Die Durchlaufzeit eines einzelnen Vorgangs kann dabei erheblich von der durchschnittlichen Durchlaufzeit abweichen, etwa durch Auslastungsschwankungen, Priorisierungen oder Störungen. In vielen Systemen zeigt sich zudem, dass nicht die Bearbeitung selbst, sondern Warte- und Liegezeiten einen großen Anteil an der Gesamtdauer haben.

Ein zentrales Merkmal der Durchlaufzeit ist ihre Abhängigkeit von Kapazität und Auslastung. Bei hoher Auslastung steigen Wartezeiten an Engpässen, wodurch die Gesamtdurchlaufzeit zunimmt. Hinzu kommen Einflüsse wie Losgrößen, Rüstvorgänge, Komplexität von Aufträgen, Artikelstruktur, Wegstrecken im Lager, Transporttaktungen sowie Schnittstellen zwischen IT-Systemen und Dienstleistern. Auch Qualitätsprüfungen oder Klärfälle (z. B. fehlende Bestände, Adressprobleme) verlängern Durchlaufzeiten, ohne dass in dieser Zeit zwingend produktive Bearbeitung stattfindet.

Einsatzfelder für die Betrachtung der Durchlaufzeit finden sich in nahezu allen Bereichen der Logistik. Im Lager betrifft sie etwa Wareneingangsbearbeitung, Einlagerung, Kommissionierung, Verpackung und Warenausgang. Im Transport und in der Distribution kann sie den Zeitraum von der Abholung bis zur Zustellung abbilden, einschließlich Umschlagpunkten. Im E-Commerce wird häufig die Zeit vom Bestelleingang bis zur Versandbestätigung oder Zustellung betrachtet, teils getrennt nach interner Bearbeitungszeit und Carrier-Laufzeit. In der Produktion ist die Durchlaufzeit eine grundlegende Größe für Terminplanung und Bestandsbindung, da lange Durchlaufzeiten oft mit höherem Umlaufbestand einhergehen.

In der Darstellung und Auswertung wird Durchlaufzeit häufig pro Auftragsart, Produktgruppe, Prozesspfad oder Servicelevel segmentiert. Dadurch lassen sich Unterschiede zwischen Standard- und Sonderprozessen, zwischen Teillieferungen und Komplettlieferungen oder zwischen nationalen und internationalen Sendungen nachvollziehen. Für belastbare Aussagen ist zudem wesentlich, dass Start- und Endereignisse eindeutig definiert und in Systemen konsistent erfasst werden.

Bedeutung für Logistik und E-Commerce

Durchlaufzeit ist in Logistik und E-Commerce eine zentrale Kenngröße, weil sie direkt mit Lieferfähigkeit, Planbarkeit und Bestandswirkungen verknüpft ist. Kurze und stabile Durchlaufzeiten unterstützen verlässliche Zusagen, während schwankende Durchlaufzeiten häufig zu Sicherheitsbeständen, Pufferzeiten und höherem Koordinationsaufwand führen. In Versandprozessen beeinflusst die Durchlaufzeit zudem, wie früh Cut-off-Zeiten angesetzt werden müssen, um definierte Zustellversprechen einzuhalten.

Operativ wirkt die Durchlaufzeit als Indikator für Prozessfluss und Engpässe. Steigt sie an, kann das auf Überlastung, unzureichende Kapazitäten, unausgewogene Steuerung oder auf Störungen an Schnittstellen hindeuten. Strategisch ist sie relevant für Netzwerk- und Standortentscheidungen, Automatisierungsgrade, Layoutplanung sowie die Auslegung von Personalkapazitäten und Transporttaktungen. Im E-Commerce ist sie außerdem eng mit der Kundenerwartung an schnelle Lieferung verbunden, wobei die interne Durchlaufzeit im Fulfillment nur ein Teil der Gesamtlieferzeit ist.

Die Interpretation der Durchlaufzeit erfordert eine klare Abgrenzung gegenüber ähnlichen Zeitbegriffen. Während die Durchlaufzeit einen gesamten Prozess abbildet, können Teilzeiten wie Bearbeitungszeit oder Wartezeit gezielt analysiert werden, um die Zusammensetzung der Gesamtdauer zu verstehen. Je nach Zielsetzung werden Durchlaufzeiten als Durchschnitt, Median oder als Perzentile ausgewertet, um nicht nur einen Mittelwert, sondern auch die Streuung (Zuverlässigkeit) zu beschreiben. Insbesondere bei Servicelevels sind Aussagen wie „90 % der Aufträge innerhalb von X Stunden“ oft aussagekräftiger als reine Mittelwerte.

In verteilten Lieferketten ergibt sich die Gesamtdurchlaufzeit häufig aus der Addition mehrerer Teilprozesse, etwa Bestellung, Lagerbearbeitung, Übergabe an den Carrier, Transport, Zustellung und ggf. Abholprozesse in Paketshops. Verzögerungen können dabei kumulieren, wenn Übergaben nicht synchronisiert sind oder wenn Informationen (z. B. Zoll- oder Adressdaten) fehlen. Eine einheitliche Prozess- und Datenlogik ist daher entscheidend, um Durchlaufzeiten vergleichbar zu messen und über Standorte, Dienstleister oder Länder hinweg einordnen zu können.

Relevante und verwandte Begriffe

Bearbeitungszeit: Zeit, in der ein Vorgang aktiv an einer Station ausgeführt wird, z. B. Kommissionieren oder Verpacken.

Wartezeit: Zeit, in der ein Vorgang auf die nächste Bearbeitung wartet, etwa durch Engpässe, Priorisierungen oder fehlende Ressourcen.

Liegezeit: Zeit, in der Material oder Ware zwischen Prozessschritten ohne Bewegung im System verbleibt, z. B. in Zwischenpuffern oder Bereitstellzonen.

Transportzeit: Zeit für Bewegungen innerhalb eines Standorts (innerbetrieblicher Transport) oder zwischen Standorten (externer Transport).

Lieferzeit: Zeitspanne vom Bestellzeitpunkt bis zur Zustellung; sie umfasst häufig interne Durchlaufzeit und Transport-/Carrier-Laufzeit.

Cycle Time: Begriff aus Lean- und Produktionsumfeldern, oft als Zeit pro Zyklus/Prozessschritt verstanden und damit enger gefasst als die gesamte Durchlaufzeit.

Lead Time: Zeit von der Anforderung bis zur Bereitstellung; je nach Definition ähnlich zur Durchlaufzeit, häufig aber stärker aus Kundensicht oder Beschaffungssicht verwendet.

Servicelevel: Kennzahl zur Erfüllung von Leistungszusagen, z. B. Anteil pünktlich bearbeiteter oder zugestellter Aufträge innerhalb definierter Zeitgrenzen.

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