Logistik Lexikon

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Meldebestand (Reorder Point): Definition, Einordnung und Bedeutung in der Logistik

Begriffserklärung und Einordnung

Der Meldebestand bezeichnet eine im Bestandsmanagement festgelegte Bestandsgrenze, bei deren Erreichen oder Unterschreiten eine Nachbeschaffung angestoßen wird. Ziel ist es, die Liefer- und Produktionsfähigkeit aufrechtzuerhalten, indem ausreichend Zeit für Beschaffung, Transport, Wareneingang und Einlagerung berücksichtigt wird. Der Meldebestand wird in der Praxis häufig auch als Bestellpunkt oder im internationalen Kontext als Reorder Point verstanden.

In der Logistik gehört der Meldebestand zu den zentralen Steuerungsgrößen der Disposition. Er verbindet den physischen Lagerbestand mit dem zeitlichen Aspekt der Wiederbeschaffung. Damit wirkt er als Auslöser in Bestellprozessen, unabhängig davon, ob die Nachbestellung manuell, regelbasiert im ERP-System oder automatisiert über integrierte Dispositionsverfahren erfolgt.

Je nach Umfeld kann sich der Meldebestand auf unterschiedliche Bestandsebenen beziehen. Häufig wird er auf Artikel- oder SKU-Ebene definiert, kann aber auch standortbezogen (z. B. pro Lager, Fulfillment-Center oder Filiale) oder pro Materialgruppe festgelegt werden. Entscheidend ist, dass der Meldebestand als Schwellenwert eine operative Entscheidung strukturiert: Ab wann muss nachbeschafft werden, damit bis zum Eintreffen der Ware kein Engpass entsteht?

Struktur, Merkmale und Einsatzfelder

Der Meldebestand setzt sich typischerweise aus dem erwarteten Bedarf während der Wiederbeschaffungszeit und einem Sicherheitsanteil zusammen. Während der Bedarfsanteil die voraussichtliche Entnahme bis zur Anlieferung abbildet, dient der Sicherheitsanteil dazu, Unsicherheiten abzufangen. Solche Unsicherheiten können durch Nachfrageschwankungen, Lieferverzögerungen, Qualitätsprüfungen im Wareneingang oder interne Prozesszeiten entstehen.

Als Konzept ist der Meldebestand besonders eng mit bestandsgeführten Beschaffungsverfahren verknüpft. In Umgebungen mit kontinuierlicher Bestandsüberwachung (perpetual inventory) wird beim Erreichen des Schwellenwerts eine Bestellung ausgelöst. In Periodensystemen (z. B. wöchentliche Bestandsprüfung) spielt der Meldebestand ebenfalls eine Rolle, allerdings muss er dann so gewählt werden, dass auch die Zeit bis zur nächsten Prüfung abgedeckt ist.

Typische Einsatzfelder des Meldebestands finden sich in Handelslogistik, Ersatzteilversorgung, industrieller Materialwirtschaft sowie im E-Commerce-Fulfillment. Im Onlinehandel ist der Meldebestand eng mit Servicelevel-Zielen und der Vermeidung von Out-of-Stock-Situationen verbunden. In der Produktion steht häufig die Sicherstellung der Materialverfügbarkeit im Vordergrund, um Stillstände zu verhindern. In allen Fällen ist der Meldebestand ein Instrument, um die Balance zwischen hoher Lieferbereitschaft und wirtschaftlichen Lagerkosten zu steuern.

In der operativen Umsetzung wird der Meldebestand als Parameter in Dispositions- und Planungssystemen geführt. Abhängig vom Artikelprofil können unterschiedliche Logiken zugrunde liegen, etwa konstante Schwellenwerte für C-Artikel oder dynamische Schwellen, die sich an Saisonalität, Aktionsgeschäft oder aktualisierte Lieferzeiten anpassen. Auch Mindestbestellmengen, Losgrößen oder Verpackungseinheiten können die Wirkung des Meldebestands beeinflussen, da sie bestimmen, wie viel tatsächlich nachbestellt wird, sobald der Schwellenwert erreicht ist.

Bedeutung für Logistik und E-Commerce

Der Meldebestand hat unmittelbaren Einfluss auf die Lieferfähigkeit, die Kapitalbindung und die Prozessstabilität. Wird der Schwellenwert zu niedrig angesetzt, steigt das Risiko von Fehlmengen, Backorders oder Produktionsunterbrechungen. Wird er zu hoch angesetzt, erhöht sich die Lagerreichweite, was zusätzliche Lagerkosten und gebundenes Kapital verursachen kann. In vielen Unternehmen wird der Meldebestand daher als Stellhebel verstanden, um einen gewünschten Servicegrad mit vertretbaren Kosten zu erreichen.

Im E-Commerce wirkt sich der Meldebestand besonders direkt auf die Kundenerfahrung aus. Nicht verfügbare Artikel führen häufig zu Kaufabbrüchen, längeren Lieferzeiten oder Ausweichkäufen bei Wettbewerbern. Gleichzeitig ist die Sortimentsbreite oftmals hoch und die Nachfrage volatil. Der Meldebestand muss daher die Wiederbeschaffungszeit realistisch abbilden und Schwankungen ausreichend berücksichtigen, ohne Bestände unnötig aufzublähen. Relevante Einflussgrößen sind unter anderem Lieferantenperformance, Transportlaufzeiten, Cut-off-Zeiten im Versand sowie interne Bearbeitungszeiten im Wareneingang und in der Einlagerung.

In mehrstufigen Netzwerken (z. B. Zentrallager und Regionallager) erhält der Meldebestand eine zusätzliche Dimension. Ein Meldebestand kann je Standort unterschiedlich ausfallen, weil Nachfrageprofile, Lieferzeiten und Umlagerprozesse variieren. Auch die Verfügbarkeit im vorgelagerten Lager beeinflusst die Wirksamkeit: Eine Nachbestellung ist nur dann stabil, wenn die Versorgungskette die benötigten Mengen innerhalb der erwarteten Zeit liefern kann.

Darüber hinaus ist der Meldebestand eng mit der Datenqualität verbunden. Unpräzise Bestände, verspätete Buchungen oder nicht berücksichtigte Reservierungen (z. B. offene Aufträge, Picks im Versandprozess) können dazu führen, dass Bestellimpulse zu spät oder zu früh ausgelöst werden. Daher wird in der Praxis häufig zwischen physischem Bestand, verfügbarem Bestand und disponiblen Mengen unterschieden, um die Schwellenwertlogik belastbar zu machen.

Relevante und verwandte Begriffe

  • Sicherheitsbestand: Zusätzlicher Bestandspuffer zur Abdeckung von Unsicherheiten in Nachfrage und Lieferzeit.
  • Wiederbeschaffungszeit: Zeitraum von der Bestellauslösung bis zur Verfügbarkeit der Ware im Lager, einschließlich Liefer- und interner Prozesszeiten.
  • Bestellpunktverfahren: Dispositionsverfahren, bei dem eine Bestellung beim Erreichen eines definierten Schwellenwerts (Meldebestand) ausgelöst wird.
  • Bestellmenge: Menge, die bei Erreichen des Meldebestands nachbestellt wird; kann durch Losgrößen, Mindestmengen oder Verpackungseinheiten bestimmt sein.
  • Servicegrad: Kennzahl für die Lieferbereitschaft, häufig als Wahrscheinlichkeit definiert, Nachfrage ohne Fehlmenge bedienen zu können.
  • Out-of-Stock: Situation, in der ein Artikel nicht verfügbar ist; kann zu Lieferverzögerungen oder Umsatzverlust führen.
  • Disponibler Bestand: Bestand, der für neue Aufträge tatsächlich verfügbar ist, nachdem Reservierungen und offene Bewegungen berücksichtigt wurden.

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