Logistik Lexikon

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LIFO/FIFO (Last In, First Out / First In, First Out) in Logistik und Versand

Begriffserklärung und Einordnung

FIFO und LIFO sind Ordnungs- und Entnahmeprinzipien in Lager und Versand. Sie definieren, in welcher Reihenfolge eingelagerte Einheiten wieder entnommen werden. Die Abkürzungen stehen für First In, First Out (zuerst hinein, zuerst hinaus) und Last In, First Out (zuletzt hinein, zuerst hinaus). In der Praxis beziehen sich beide Konzepte vor allem auf die physische Warenbewegung im Lager, können aber je nach Kontext auch für die rechnerische Bewertung von Beständen verwendet werden.

Bei FIFO werden die ältesten Bestände zuerst entnommen. Dieses Prinzip wird häufig eingesetzt, um Alterung, Verderb oder Obsoleszenz zu vermeiden. Es passt damit gut zu Artikeln mit Mindesthaltbarkeitsdatum, Chargenpflicht oder Zeitkritikalität. LIFO bedeutet dagegen, dass die zuletzt eingelagerten Einheiten zuerst entnommen werden. Das kann sich ergeben, wenn Ware stapelnd gelagert wird und die zuletzt abgestellte Palette physisch am leichtesten zugänglich ist.

Beide Prinzipien sind im Lagerkontext eng mit den Zielen der Bestandsführung verbunden: Transparenz über den Warenfluss, Vermeidung von Überalterung sowie eine nachvollziehbare Reihenfolge bei Entnahme und Nachschub. In IT-Systemen (z. B. WMS/ERP) werden FIFO- oder LIFO-Regeln häufig als Entnahmestrategie hinterlegt, um Kommissionierung und Nachschub automatisiert zu steuern.

Struktur, Merkmale und Einsatzfelder

FIFO ist typischerweise dort strukturell begünstigt, wo Lagertechnik und Prozesse eine Entnahme in Einlagerungsreihenfolge unterstützen. Beispiele sind Durchlaufregale, Kanban-orientierte Nachschubstrecken oder klar geführte Pickflächen, in denen die älteren Einheiten an der Entnahmeseite bereitgestellt werden. Charakteristisch ist die stärkere Kontrolle über Liegezeiten und die bessere Eignung für qualitätskritische Sortimente.

LIFO tritt häufig bei Blocklagerung, Stapellagerung oder bestimmten Behälter- und Palettenstapeln auf, wenn der Zugriff auf ältere Einheiten physisch erschwert ist. Das Prinzip kann logistisch einfach umzusetzen sein, erhöht jedoch das Risiko, dass ältere Ware länger liegen bleibt. Dadurch kann es zu Bestandsüberalterung kommen, insbesondere bei saisonalen Artikeln, schnelllebigen Sortimenten oder Produkten mit Ablauf- bzw. Mindesthaltbarkeitsdatum.

Typische Einsatzfelder unterscheiden sich vor allem nach Artikelcharakteristik und Lagerumgebung:

  • FIFO: Lebensmittel, Pharma, Kosmetik, Chemie, Ersatzteile mit definierten Lebenszyklen, E-Commerce-Sortimente mit hohem Umschlag und Qualitätsanforderungen.
  • LIFO: robuste Güter ohne Alterungsrisiko, Schüttgüter oder Materialien, bei denen die Lagertechnik den Zugriff auf „ältere“ Einheiten nicht sinnvoll erlaubt, sowie Fälle, in denen schneller Zugriff auf die zuletzt eingelagerten Mengen operativ vorteilhaft ist.

In der Praxis existieren auch Mischformen und ergänzende Regeln, etwa wenn zwar grundsätzlich FIFO angestrebt wird, aber bei Platzmangel oder Sonderflächen faktisch LIFO-Effekte auftreten. Zusätzlich können Seriennummern, Chargen oder Verfallsdaten die Entnahmereihenfolge übersteuern und zu einem strengeren, datumsbasierten Vorgehen führen.

Bedeutung für Logistik und E-Commerce

Für Logistik und E-Commerce sind FIFO und LIFO relevante Stellgrößen, weil sie sich direkt auf Bestandsqualität, Kommissionierlogik, Retourenfähigkeit und Servicelevel auswirken. Im Versandgeschäft ist die Fähigkeit, konsistent „passende“ Einheiten auszuwählen, entscheidend: identische Artikel können sich in Charge, Produktionsdatum, Verpackungsdesign oder Haltbarkeit unterscheiden. Eine definierte Entnahmeregel reduziert Abweichungen und unterstützt stabile Prozesse in Wareneingang, Lagerung, Pick und Pack.

FIFO unterstützt typischerweise eine gleichmäßige Bestandsrotation. Das senkt Risiken wie Abschriften durch Verderb oder technische Überholung und verbessert die Planbarkeit von Nachschub und Abverkauf. In E-Commerce-Umgebungen mit hoher Artikelvielfalt und wechselnden Sortimentsständen trägt FIFO außerdem dazu bei, dass ältere Waren nicht „im Bestand verschwinden“, während neue Ware fortlaufend entnommen wird. Zudem ist FIFO häufig kompatibel mit Qualitäts- und Compliance-Anforderungen, wenn beispielsweise Mindesthaltbarkeitsdaten oder Chargenrückverfolgbarkeit eine Rolle spielen.

LIFO kann prozessual Vorteile haben, wenn es den Materialfluss vereinfacht, Wege verkürzt oder mit vorhandener Lagertechnik harmoniert. Gleichzeitig kann LIFO zu einer ungleichmäßigen Rotation führen. Das wirkt sich besonders dann negativ aus, wenn Artikel altern, modisch schnell wechseln oder sich Spezifikationen ändern. Für Versand und Kundenservice kann dies bedeuten, dass ältere Ware später ausgeliefert wird, was bei sensiblen Produktgruppen die Reklamationsquote erhöhen kann. In Multi-Channel-Setups kann eine nicht kontrollierte LIFO-Entnahme zusätzlich die Abstimmung zwischen Online-Bestand, Filialbestand und Reservierungen erschweren.

In IT-gestützten Lagerprozessen werden FIFO/LIFO häufig als Parameter in Entnahmestrategien genutzt und mit weiteren Kriterien kombiniert, etwa Lagerzone, Pickpriorität, Mindestrestlaufzeit oder Umlagerungsregeln. Damit entsteht eine operative Übersetzung der Prinzipien in konkrete Systementscheidungen, die sich im Tagesgeschäft in Picklisten, Nachschubaufträgen und Bestandsbuchungen widerspiegeln.

Relevante und verwandte Begriffe

  • FEFO (First Expired, First Out): Entnahmeprinzip, bei dem die Ware mit dem frühesten Verfalls- oder Mindesthaltbarkeitsdatum zuerst entnommen wird.
  • Chargenverwaltung: Verwaltung von Waren nach Charge/Los zur Rückverfolgbarkeit; beeinflusst die Entnahmereihenfolge und Dokumentation.
  • MHD (Mindesthaltbarkeitsdatum): Datumsmerkmal, das bei zeitkritischen Produkten die Entnahmelogik (häufig FEFO/FIFO) steuert.
  • Bestandsrotation: Maß für die regelmäßige Bewegung von Lagerbeständen; FIFO begünstigt meist eine gleichmäßige Rotation.
  • Kommissionierstrategie: Regelwerk zur Auswahl von Lagerplätzen und Einheiten im Pickprozess, z. B. FIFO-, LIFO- oder FEFO-basiert.
  • WMS (Warehouse Management System): Software zur Steuerung von Lagerprozessen, in der Entnahmestrategien wie FIFO/LIFO parametriert werden.

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