D2C steht für Direct-to-Consumer und beschreibt ein Vertriebsmodell, bei dem Hersteller oder Marken ihre Produkte direkt an Endkundinnen und Endkunden verkaufen. Der Verkauf erfolgt typischerweise über eigene digitale Kanäle wie Webshops, Apps oder Social-Commerce-Formate, teilweise ergänzt um eigene stationäre Verkaufsflächen. Im Unterschied zu klassischen Strukturen mit Großhandel und Einzelhandel liegt die Verantwortung für Vermarktung, Verkauf, Zahlung, Versand und Kundenservice weitgehend bei der Marke selbst.
Im logistischen Kontext bedeutet D2C eine Verschiebung von wenigen, großvolumigen Lieferungen an Handelspartner hin zu vielen, kleinteiligen Sendungen an Einzeladressen. Dadurch verändern sich Anforderungen an Lagerhaltung, Bestandsführung, Auftragsabwicklung und Retourenmanagement. Gleichzeitig gewinnt die direkte Daten- und Prozesshoheit an Bedeutung: Nachfrage, Lieferzeiten, Rücksendequoten und Serviceanfragen lassen sich näher am tatsächlichen Endkundenverhalten messen und steuern.
Als Begriff wird D2C häufig dem übergeordneten Feld E-Commerce zugeordnet, ist jedoch nicht auf Onlinevertrieb beschränkt. Entscheidend ist die Disintermediation, also das Auslassen klassischer Zwischenstufen. D2C kann innerhalb eines bestehenden Unternehmens parallel zu anderen Vertriebskanälen betrieben werden (Multichannel) oder als primäres Geschäftsmodell einer digitalen Marke auftreten.
Die Einordnung in Wertschöpfungs- und Lieferketten fällt je nach Branche unterschiedlich aus. In Konsumgütern wie Kosmetik, Nahrungsergänzung, Mode oder Elektronik wird D2C oft zur Markenpositionierung und Margensteuerung genutzt. In Ersatzteil- oder Zubehörmärkten steht häufig die Verfügbarkeit, Produktinformation und schnelle Zustellung im Vordergrund. Logistisch ist D2C weniger durch das Produkt selbst definiert als durch die Art der Auftragsstruktur und der Serviceerwartung.
Typische Merkmale von D2C sind direkte Bestellannahme, kleinteilige Kommissionierung und ein stärkerer Fokus auf die Customer Experience entlang der Lieferkette. Dazu zählen Lieferoptionen, Sendungsverfolgung, Packaging, Zustellqualität sowie die Abwicklung von Rücksendungen und Erstattungen. D2C-Prozesse sind häufig eng mit Systemen wie Shop-Software, ERP, WMS und Versandplattformen verzahnt, um eine hohe Transaktionszahl zuverlässig abwickeln zu können.
Einsatzfelder reichen von vollständig selbst betriebenen Fulfillment-Strukturen bis hin zu ausgelagerten Modellen mit Logistikdienstleistern. Besonders verbreitet ist D2C in folgenden Umfeldern:
In der operativen Ausprägung entstehen oft hybride Formen: Eine Marke kann D2C über den eigenen Shop betreiben und gleichzeitig Marktplätze, Handelspartner oder Filialen beliefern. Die logistische Komplexität steigt, wenn Bestände kanalübergreifend disponiert und unterschiedliche Servicelevels eingehalten werden müssen.

D2C verändert die Logistik vor allem durch die Granularität der Aufträge und die stärkere Kopplung an Endkundenanforderungen. Statt Paletten- oder Kartonware an wenige Empfänger dominieren Einzelaufträge mit variierenden Warenkörben, was Pick-&-Pack-Prozesse, Verpackungslogik und Versandkonditionen beeinflusst. Gleichzeitig rückt die Lieferleistung als Teil des Markenerlebnisses stärker in den Mittelpunkt, wodurch Transparenz, Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit betriebliche Priorität erhalten.
Auf der Lager- und Bestandsseite spielt die Verfügbarkeit in Echtzeit eine größere Rolle, da Out-of-Stock-Situationen unmittelbar im eigenen Shop sichtbar werden und direkt auf Conversion und Kundenzufriedenheit wirken. Je nach Sortiment sind auch Anforderungen an Chargenführung, Mindesthaltbarkeitsdaten, Seriennummern oder Gefahrgutkonformität relevant. D2C führt zudem häufig zu einer höheren Bedeutung von Retourenprozessen, weil Rücksendequoten in bestimmten Kategorien (z. B. Fashion) strukturell hoch sind und die Wiedereinlagerung bzw. Aufbereitung wirtschaftlich entscheidend sein kann.
Für den Versand sind Carrier-Strategie und Zustelloptionen prägend. D2C-Modelle nutzen oftmals mehrere Paketdienstleister, um Zielregionen, Kostenstrukturen und Servicelevel auszubalancieren. In internationalen Setups kommen Aspekte wie Zollabwicklung, Steuerlogik, Incoterms und lokalisierte Retourenwege hinzu. Operativ wirkt sich D2C auch auf Cut-off-Zeiten, Same-Day- oder Next-Day-Versprechen sowie die Auslastung von Fulfillment-Kapazitäten aus, insbesondere bei Kampagnen und saisonalen Peaks.
Strategisch kann D2C die Rolle der Logistik als Wettbewerbsfaktor verstärken: Eine stabile, skalierbare Fulfillment-Struktur unterstützt Marken, neue Produkte schneller einzuführen, Sortimente zu testen und Kundensegmente gezielter zu bedienen. Gleichzeitig erhöht sich die Abhängigkeit von Prozessqualität und Datenintegration, weil Störungen in Lager, IT oder Zustellung direkt auf die Endkundenerfahrung durchschlagen.
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