Disposition bezeichnet in der Logistik die laufende Planung, Steuerung und Koordination von Ressourcen, damit Aufträge termingerecht und mit definierten Service- und Kostenparametern abgewickelt werden können. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie verfügbare Kapazitäten – etwa Fahrzeuge, Fahrer, Lagerflächen, Kommissionierleistung oder Zeitfenster – so zugeordnet werden, dass Material- und Informationsflüsse stabil funktionieren. Disposition ist damit eine zentrale Querschnittsfunktion zwischen Vertrieb/Customer Service, Lager, Transport, Einkauf und Produktion.
Der Begriff wird je nach Unternehmen und Bereich unterschiedlich verwendet. In der Transportdisposition umfasst er typischerweise Touren- und Einsatzplanung, die Zuweisung von Sendungen zu Relationen, die Abstimmung mit Frachtführern sowie die Einhaltung von Abhol- und Zustellfenstern. In der Lagerdisposition steht die Verfügbarkeit von Lagerressourcen im Vordergrund, etwa die Personaleinsatz- und Flächenplanung oder die zeitliche Abstimmung von Wareneingang, Einlagerung und Kommissionierung. In der Material- bzw. Beschaffungsdisposition geht es um Bedarfsdeckung, Bestellmengen und Liefertermine, um Produktions- oder Versandfähigkeit sicherzustellen.
Disposition bewegt sich stets in einem Spannungsfeld aus Servicegrad, Kosten und Machbarkeit. Auslöser sind häufig Auftrags- und Forecastdaten, Bestände, Kapazitätsmeldungen sowie Restriktionen wie Lenk- und Ruhezeiten, Cut-off-Zeiten im Versand, Rampenverfügbarkeit oder vereinbarte Liefertermine. Die Ergebnisse der Disposition sind konkret: ein geplanter Fahrzeugeinsatz, ein Tourenplan, eine terminierte Bestellung, eine priorisierte Auftragsliste oder ein abgestimmtes Slotting an der Rampe.
Im logistischen Gesamtsystem übernimmt Disposition die Übersetzungsleistung zwischen Planung und Ausführung. Strategische Entscheidungen wie Netzwerkstruktur, Standortwahl, Fuhrparkgröße oder Serviceversprechen definieren den Rahmen; die Disposition sorgt dafür, dass diese Vorgaben im Tagesgeschäft umgesetzt werden. Dabei wird zwischen operativer Disposition (kurzfristige Steuerung, oft tages- oder schichtbezogen) und taktischer Disposition (mittelfristige Kapazitäts- und Ressourcenabstimmung, z. B. Wochenplanung) unterschieden. Strategische Elemente können ebenfalls einfließen, etwa bei der Kapazitätsbeschaffung über Rahmenverträge oder beim Aufbau von Notfallkonzepten.
Typische Merkmale dispositioneller Arbeit sind der hohe Aktualitätsbedarf und die Reaktion auf Abweichungen. Verspätete Wareneingänge, unvorhergesehene Auftragsspitzen, Störungen im Liniennetz oder Ausfälle im Fuhrpark erfordern häufige Anpassungen. Disposition ist daher eng an verlässliche Daten und klare Regeln gebunden: Prioritätenlogik, Eskalationswege, definierte Verantwortlichkeiten sowie Standards für Statusmeldungen und Dokumentation.
Technisch wird Disposition oft durch Systeme unterstützt, die Daten konsolidieren und Entscheidungsoptionen sichtbar machen. Beispiele sind Transportmanagementsysteme (TMS) für Sendungs- und Tourensteuerung, Lagerverwaltungssysteme (WMS) für kapazitätsbezogene Lagerprozesse, ERP-Systeme für Bedarfs- und Bestandsinformationen sowie Zeitfenster- oder Yard-Management-Lösungen für die Rampensteuerung. Je nach Reifegrad reichen die Funktionen von manueller Planungsunterstützung bis zu teilautomatisierten Optimierungen (z. B. Tourenoptimierung unter Restriktionen).

Disposition ist in operative Prozesse eingebettet, wirkt aber zugleich auf übergeordnete Kennzahlen und Zielsysteme. Operativ bestimmt sie, ob Aufträge innerhalb von Cut-off-Zeiten verarbeitet, Ressourcen konfliktfrei eingesetzt und Transport- oder Lagerkapazitäten effizient ausgelastet werden. Strategisch relevante Effekte zeigen sich mittelbar: Wiederkehrende Engpässe können auf strukturelle Unterkapazität, ungünstige Prozessgestaltung oder unpassende Serviceversprechen hinweisen und damit Investitionen, Vertragsmodelle oder Netzwerkentscheidungen beeinflussen.
In der Praxis lassen sich dispositionelle Entscheidungen häufig drei Ebenen zuordnen. Erstens die Zuordnung (welche Sendung zu welchem Fahrzeug, welcher Auftrag zu welcher Welle, welcher Bedarf zu welchem Lieferanten). Zweitens die Terminierung (wann wird abgeholt, wann wird kommissioniert, wann wird geliefert). Drittens die Reihenfolge- und Prioritätssteuerung (welche Aufträge werden vorgezogen, welche können warten, welche werden konsolidiert). Diese Ebenen greifen ineinander und sind abhängig von Restriktionen wie Kapazitäten, Servicelevel-Vereinbarungen, Lieferzeitversprechen oder gesetzlichen Vorgaben.
Disposition ist außerdem eng mit Qualitäts- und Leistungsindikatoren verknüpft. Häufig betroffene Zielgrößen sind Termintreue, Auslastung, Durchlaufzeiten, Bestandsreichweite, Kosten pro Sendung oder Kommissionierleistung. Gleichzeitig besteht ein Zielkonflikt: Eine sehr hohe Termintreue kann höhere Kosten verursachen (z. B. Expressverkehre, geringe Bündelung), während starke Kostenausrichtung zu längeren Laufzeiten oder höherem Risiko von Lieferverzögerungen führen kann. Disposition wirkt damit als Stellhebel, der die Balance zwischen Wirtschaftlichkeit und Servicequalität im Tagesgeschäft konkretisiert.
Im E-Commerce-Umfeld gewinnt Disposition zusätzlich an Bedeutung, weil hohe Auftragsvolatilität, kurze Lieferzeitfenster und vielfältige Versandoptionen (Same Day, Next Day, Click & Collect, Paket vs. Spedition) eine präzise Abstimmung erfordern. Hier beeinflusst Disposition unter anderem die Einhaltung von Annahmeschlüssen, die Wahl von Carrier-Services, die Konsolidierung von Sendungen sowie die Steuerung von Peaks, etwa rund um Aktionszeiträume.
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