Das MHD (Mindesthaltbarkeitsdatum) ist eine auf vorverpackten Lebensmitteln und bestimmten weiteren Produkten angegebene Datumskennzeichnung. Sie beschreibt, bis zu welchem Zeitpunkt ein Erzeugnis bei sachgerechter Lagerung seine typischen Eigenschaften (z. B. Geschmack, Geruch, Konsistenz, Nährwert) behält. Das MHD ist damit in erster Linie eine Qualitäts- und keine reine Sicherheitsangabe.
Rechtlich ist das MHD in der EU im Rahmen der Lebensmittelinformationsvorschriften verankert. Es ist von Kennzeichnungen wie dem „zu verbrauchen bis“-Datum abzugrenzen, das für besonders leicht verderbliche Lebensmittel verwendet wird und stärker sicherheitsbezogen ist. In der Praxis ist das MHD ein zentraler Referenzpunkt, um Ware im Handel und in der Logistik zeitlich zu steuern, Bestände zu bewerten und Warenbewegungen planbar zu machen.
Im logistischen Kontext wird das MHD häufig als Chargen- oder Attributinformation geführt. Es kann auf der Verpackung aufgedruckt sein und wird im Warenwirtschafts- oder Lagerverwaltungssystem (WMS) als Datum pro Charge, Palette, Gebinde oder Einzeleinhaltseinheit erfasst. Je nach Prozessreife erfolgt diese Erfassung manuell, per Scanner (z. B. über GS1-Barcodes) oder über vorgelagerte Daten aus Produktion und Wareneingang.
Die Angabe des MHD erfolgt typischerweise in Form eines Datums, dessen Genauigkeit vom Produkt abhängt (Tag/Monat/Jahr oder nur Monat/Jahr). Entscheidend ist, dass die Aussage immer an eine vorausgesetzte, sachgerechte Lagerung gekoppelt ist. Abweichungen in Temperatur, Luftfeuchte, Lichteinwirkung oder Verpackungsintegrität können die Haltbarkeit beeinflussen, ohne dass sich das auf dem Etikett ausgewiesene Datum ändert.
Für Lager und Versand ist das MHD als bestandsrelevantes Merkmal bedeutsam, weil es die Reihenfolge der Kommissionierung und Auslieferung mitbestimmen kann. Häufig werden Bestände nach MHD-Datum organisiert, um das Risiko von Überlagerung zu reduzieren. In der operativen Abwicklung kann das bedeuten, dass Waren mit kürzerer Restlaufzeit bevorzugt disponiert werden, während länger haltbare Ware strategisch im Bestand verbleibt.
Typische Einsatzfelder für MHD-gesteuerte Prozesse sind:
In Mehrstufen-Lieferketten wird das MHD zudem für die Rückverfolgbarkeit und für die klare Zuordnung von Qualitätsereignissen genutzt. In Kombination mit Chargennummern erlaubt es, betroffene Warenbestände schneller einzugrenzen, etwa bei Beanstandungen, Sperrungen oder Sortimentsumstellungen.

Das MHD wirkt in Logistik und E-Commerce als verbindendes Steuerungsmerkmal zwischen Einkauf, Lagerung, Kommissionierung, Transport und Verkauf. Auf der Bestandsseite beeinflusst es, wie Bestände bewertet und segmentiert werden, beispielsweise nach Restlaufzeitklassen. Dadurch lassen sich Verfügbarkeiten realistischer abbilden, insbesondere wenn Kunden oder Vertriebskanäle Mindestrestlaufzeiten fordern.
Operativ prägt das MHD die Gestaltung von Lagerstrategien und die Ausprägung von Qualitätskontrollen. In temperaturgeführten Lieferketten steht das MHD in engem Zusammenhang mit der Kühlkette, da Temperaturabweichungen die Produktqualität beeinträchtigen können. Auch Verpackung, Umschlaghäufigkeit und Transportdauer wirken indirekt auf das Risiko, dass Ware vor Verkauf oder Verbrauch ihr Qualitätsprofil verliert. Daher ist die MHD-Information in vielen Betrieben ein wesentliches Attribut, um Lagerzonen, Umlagerungen und Versandprioritäten festzulegen.
Im E-Commerce kommt hinzu, dass Versandlaufzeiten und Zustellfenster die nutzbare Restlaufzeit verkürzen. Zudem können Retourenprozesse eingeschränkt sein: Je näher ein Produkt am MHD liegt, desto eher werden Rücknahmen, Wiedereinlagerung oder Wiederverkauf ausgeschlossen oder nur unter klaren Kriterien zugelassen. In Sortimentsbereichen mit hoher Umschlaggeschwindigkeit ist das MHD außerdem relevant für die Disposition, um Überbestände und Abschriften zu vermeiden und zugleich Lieferfähigkeit sicherzustellen.
Auf Systemebene wird das MHD häufig als Datumsfeld geführt, das mit anderen Merkmalen kombiniert wird, etwa Artikelstammdaten, Charge, Lagerort, Temperaturanforderung oder Kundenrestriktionen. Daraus entstehen Regeln zur Reservierung und Freigabe von Beständen. Werden MHD-Daten nicht korrekt erfasst oder im System nicht konsistent genutzt, kann dies zu Fehldisposition, Fehlkommissionierung, erhöhter Ausschussquote oder Reklamationen führen.
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